Geocaching und Naturschutz – ein kurzes Resümee zur Veranstaltung in Schneverdingen

Veranstaltung in der Alfred Töpfer Akademie für Naturschutz, Schneverdingen, 11. und 12. Februar 2015

http://www.nna.niedersachsen.de/veranstaltungen/Geocaching-119453.html

 

Nachfolgend fasse ich die Vorträge und meine subjektiven Eindrücke von dieser Veranstaltung zusammen

 

Einleitend stellte Dr. Grunewald von der Internationalen Naturschutzakademie Insel Vilm des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) die Ergebnisse einer (nicht repräsentativen) Befragung verschiedener Behörden und Naturschutzeinrichtungen zu ihren Erfahrungen mit Geocaching vor.

Bekannt ist Geocaching bei allen Befragten, die Erfahrungen sind breit gestreut. Kooperationen mit Geocachern und Kontakte sind bislang eher Zufallsprodukte; hier ist noch Potential vorhanden. Die Zahl der Konflikte aufgrund gelegter Geocaches ist regional sehr unterschiedlich; insgesamt halte ich die Zahl nicht für alarmierend – Ansatzpunkte für Zusammenarbeit ergeben sich aber sehr wohl in größerem Umfang. Dies sollte auch von Cacherseite entsprechend genutzt werden indem man aktiv auf die Verantwortlichen vor Ort zugeht.

Die Umfrage ist noch nicht veröffentlicht; sie soll in einer der nächsten Ausgaben der Zeitschrift Natur und Landschaft publiziert werden.

 

Der Vortrag von Prof. Dr. H.W. Louis zu den straf- und zivilrechtlichen Aspekten, die im Zusammenhang mit Geocaching und Geocaches auftreten können fiel wegen Erkrankung des Referenten aus. Die schriftlichen Unterlagen entsprechen dem Stand von Herbst 2011, veröffentlicht in der Zeitschrift Natur und Recht. Damit entfiel leider auch die Diskussionsmöglichkeit zu den (soweit mir bekannt) zwei Urteilen aus 2014.

 

Julia Garbers von der Schneverdinger Touristik stellte die erfolgreiche Kooperation von Tourismus und Geocaching in Schneverdingen dar. Im Anschluss erlebten die Teilnehmer bei einer kleinen Wanderung erste Eindrücke zum Thema Geocaching und wurden durch selbständiges Suchen und Finden einiger Caches im Camp Reinsehlen erfolgreich „entmuggelt“ 😉

 

Wilhelm Breuer von der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e.V. stellte in seinem anschließend kontrovers diskutierten Vortrag die Forderung auf, zum Schutz der Natur in allen FFH-Gebieten (die rd 10 % der Fläche der Bundesrepublik Deutschland ausmachen) Geocaching zu untersagen, da das Hobby ein erhebliches Störpotential beinhalte. Diese Ansicht wurde so kaum geteilt: zum Einen sind dann auch andere Störer einzuschränken, zum Anderen erschien (nicht nur mir) die Forderung zu wenig differenziert.

Das Erfordernis, Brut- und Nistplätze bestimmter geschützter Arten (und damit auch der Eulenarten) sensibel zu behandeln, ist nachvollziehbar. Dafür rigoros erhebliche Flächen zu sperren löst das Problem nicht. Hier sollten in Zusammenarbeit zwischen Verbänden und Reviewern Möglichkeiten gesucht werden, die Interessen aller Betroffenen zu berücksichtigen. Ansatzpunkte dafür ergaben sich in Gesprächen am Rande der Veranstaltung.

 

Markus Gründel, Fachbuchautor und aktiver Cacher, stellte in seinem Vortrag die Zusammenarbeit mit dem Naturpark Harz dar. Ein seit Jahren gelungenes Beispiel für erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Geocachern und Naturschutzinstitutionen.

 

Damit endete der offizielle Teil des ersten Tages – in kleineren Gruppen wurden am Abend verschiedenste Themen rund um das Geocaching und Natur am Kamin diskutiert. Sehr erfreulich war dabei die große Gesprächsbereitschaft der Vertreter aller Behörden. Auch anfänglich eher skeptische Teilnehmer konnten überzeugt werden, dass der eingeschlagene Weg der Kommunikation und Kooperation zielführend ist.

 

Am zweiten Tag waren die Vorträge der Geocacher in der Überzahl – insgesamt bot sich bei der Veranstaltung hier ein ausgeglichenes Bild, was ich für sehr gut erachte.

Eröffnet wurde mit einer Darstellung des Reviewers Onkel Fedja, der am Beispiel des Nationalparks Müritz erläuterte, wie Zusammenarbeit zwischen Cachern und Naturschutzverantwortlichen funktioniert. Dabei wurde auch aufgezeigt, wie sich beispielsweise Schäden durch Suchen und Trampelpfade im Laufe der Zeit zurückbilden.

Weiter stellte er Rolle und Funktion der Reviewer in den Abläufen innerhalb der Geocachingbearbeitung im Normal- und Problemfall dar.

Ergänzt wurde dies von Daniel Gehrtz (danlex; Pressesprecher bei opencaching.de), der die Vorgehensweise für opencaching.de darstellte. Wichtigster Unterschied gegenüber geocaching.com ist hier die größere Eigenverantwortlichkeit des Owners – ein Reviewprozess erfolgt ggf auf Anstoss Dritter ex post und nicht wie bei groundspeak ex ante. Die angewendeten Regeln sind nahezu identisch.

Prof. Dr. Armin Lude von der PH Ludwigsburg stellte die Ergebnisse einer Untersuchung zu geobasierten Bildungsangeboten dar. Dieses noch recht junge Feld von Outdooraktivitäten ist bislang nur wenig systematisch untersucht worden. Es eröffnet vielfältige Möglichkeiten, Naturerlebnis und Lernen zu verknüpfen. Nicht nur für Nationalparks und andere Schutzgebiete eröffnen sich mit ortsbezogenen mobilen Lernangeboten neue Wege der Umweltbildung.

Vor der abschließenden Diskussion stellte Rudolf Schüller (Kuhwaidi) einige von Geocachern angestoßene Aktivitäten zur Zusammenarbeit mit Jagdverbänden, Förstern und anderen Waldnutzern vor. Konkretisiert wurde dies am Beispiel der Ansprechpartner für die Forstbezirke des Regionalforstamts Münsterland. Diese Aktivitäten fungieren teilweise als regionale Ergänzung der bereits bestehenden Kontaktwege auf überörtlicher Ebene.

 

Nicht nur in der Abschlussdiskussion, sondern auch in den zahlreichen Diskussionen und Gesprächen während der Veranstaltung erlebte ich eine erfreulich positive und offene Kommunikation. Die von Seiten der Behördenvertreter geäußerten Wünsche nach mehr Kontaktaufnahmen seitens der Geocacheowner lassen sich sicherlich in die Community hinein tragen. Ebenso werden sich die Instrumente zur Behandlung als kritisch empfundener Caches verfeinern lassen – Kontaktmöglichkeiten auf Seiten der Cacher werden zunehmend auch in anderen Bevölkerungskreisen bekannter.

Wünschenswert ist ein größeres Verständnis von Geocachern (sowohl Ownern als auch Suchern) für Naturschutz- und Umweltbelange – hier sehe ich Möglichkeiten insbesondere in gemeinsamen Aktivitäten von Naturschutz und Geocachern sowie in der konsequenten Fortführung der bereits heute bestehenden Dialoge.

Kurz formuliert:

Für Naturschützer:  Geocacher sind nicht böse – gelegentlich aber unbeholfen und unwissend. Aufklärung ist besser als Reglementierung und Sanktionen.

Für Geocacher: Regeln und Vorschriften richten sich nicht gegen dich sondern dienen dem Schutz der Natur für alle Menschen. Bestehende Restriktionen (zB das Wegegebot in vielen Naturschutzgebieten oder das Cacheattribut: „Nicht im Dunkeln“) haben einen Sinn und sind deshalb zu beachten. Sich darüber hinwegzusetzen zeugt nicht von Coolnesss sondern höchstens von Dummheit.

 

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